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Impressionen und Geschichten



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Paulo Coelho: "Die sieben Geheimnisse des Lebens" Folge 2 ·  7.04.09

Sehen lernen

Das Überschüssige entfernen
Der Bildhauer Michelangelo wurde einmal gefragt, wie es komme, dass er so wunderbare Werke schaffen könne.
“Es ist ganz einfach”, antwortete er. “Wenn ich einen Marmorblock betrachte, sehe ich die Skulptur darin. Ich muss nur noch das entfernen, was nicht dazu gehört.”

Das unsichtbare Gesicht
Ein Herrscher sagte zum Rabbiner Yeoschoua ben Hanania: “Ich würde gern euren Gott sehen.”
“Das ist unmöglich”, entgegnete der Rabbiner.
“Unmöglich? Wie kann ich denn mein Leben jemandem anvertrauen, den ich nicht sehen kann?”
“Zeigt mir die Tasche, in der Ihr die Liebe zu eurer Frau verwahrt. Und lasst sie mich wiegen, damit ich sehe, wie groß sie ist.”
“Seid kein Narr. Niemand kann die Liebe in einer Tasche verwahren.”
“Die Sonne ist nur eines der Werke, die der Herr ins Universum gestellt hat, und dennoch könnt Ihr sie nicht direkt anschauen. Ihr könnt auch nicht die Liebe sehen, wisst aber, dass Ihr Euch in eine Frau verlieben und ihr euer Leben anvertrauen könnt. Es ist doch offensichtlich, dass es bestimmte Dinge gibt, denen wir vertrauen, ohne sie zu sehen, findet Ihr nicht?”

Sich selber sehen
“Wenn du deinen Kameraden ansiehst, versuche, dich selber zu sehen”, sagte der japanische Meister Okakura Kakuso.
“Aber ist das nicht eine egoistische Haltung?”, sagte der Schüler. “Wenn wir uns nur um uns selber kümmern, werden wir nie sehen, was andere uns Gutes anzubieten haben.”
“Es wäre schön, wenn wir nur die Dinge sehen könnten, die uns umgeben”, entgegnete Kakuso. “Aber wenn wir unseren Nächsten ansehen, suchen wir nur Fehler. Wir versuchen seine Bosheit zu entdecken, damit er schlechter ist als wir, Wir vergeben ihm nie, wenn wir verletzt werden, weil wir finden, dass uns nie von ihm vergeben werden wird. Es gelingt uns, ihn mit harten Worten zu verletzen, wobei wir behaupten, die Wahrheit zu sagen, aber letztlich nur versuchen, sie vor uns selber zu verbergen. Wir tun so, als wären wir wichtig, damit niemand unsere Verletzlichkeit bemerkt. Daher sei dir, wenn du über deinen Bruder urteilst, immer bewusst, dass du es bist, der vor Gericht steht.

Auge in Auge mit der Gefahr
Ein Schüler sagte zum Meister: “Ich habe einen Großteil meines Tages damit verbracht, Dinge zu sehen, die ich nicht sehen sollte, Dinge zu wünschen, die ich nicht wünschen sollte, Pläne zu schmieden, die ich nicht schmieden sollte.”
Der Meister lud den Schüler zu einem Spaziergang ein. Auf dem Wege deutete er auf eine Pflanze und fragte den Schüler, ob er wisse, welche es sei.
“Belladonna. Sie kann denjenigen töten, der sie anschaut. So können auch negative Wünsche nichts Böses tun – solange du dich nicht von ihnen verführen lässt.”

Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher: www.paulocoelho.com
www.paulocoelhoblog.com

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