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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Die weisen Gedanken des Konfuzius" · 22.01.12

Heutzutage haben wir uns weltweit daran gewöhnt, den sogenannten “Politikwissenschaftlern” respektvoll und andächtig zu zuhören, als folge die Politik ebenso logischen und rationalen Regeln wie die Mathematik oder Physik. Wäre dies so, gäbe es nicht die Gewalt in Lateinamerika, das Elend in Afrika, die religiösen Auseinandersetzungen überall, die im Namen eines von vorn herein verlorenen, willkürlichen Krieges gestorbener Amerikaner und Iraker. Wäre die Politik eine Wissenschaft – und es brauchte nicht einmal eine exakte zu sein -, würde es ausreichen, ein paar entsprechende Gleichungen anzuwenden, um die Zivilisation und die Menschheit einen Schritt vorantreiben zu können.

Wir wissen zur Genüge, dass so eine Vorstellung vollkommen wirklichkeitsfremd ist. Und daher assoziieren die Menschen, je mehr sie über dieses Thema hören, Politik mit etwas Negativem.

Das ist ungerecht: Es gibt Menschen, die gute Absichten haben, die versuchen, für ihr Land und dessen Bevölkerung das Beste zu tun. Aber das politische System, so wie es sich uns heute darstellt, ist in einen Teufelskreis geraten, der uns wieder in die Zeiten der Finsternis zurückbringen kann: ein Volk, das es satt hat, seine Hoffnungen enttäuscht zu sehen, das sich zwischen den widersprüchlichen Analysen der “Politwissenschaftler” verloren fühlt, macht sich schließlich auf die Suche nach einem Messias, und das Ergebnis ist die Rückkehr der Diktatoren.

Was aber ist , meiner Meinung nach , Politik? Ein System sittlicher Werte, die in der Gesellschaft frei diskutiert werden und die nicht mit Gewalt, sondern mit gesundem Menschenverstand umgesetzt werden. Es ist besser, ein paar Regeln zu befolgen, als zuzusehen, wie alles ringsum im Chaos versinkt.

Ein halbes Jahrhundert vor Christus wurde in China ein Mann geboren, der nie eine wichtige Stellung eingenommen hat, der aber – einzig auf seine persönlichen Beobachtungen, seine Gespräche mit dem gemeinen Volk gestützt – versuchte, die Beziehungen zwischen Regierenden und Regierten zu begreifen. Wir alle haben seinen Namen schon gehört: Konfuzius.

Es lohnt sich, sich einige seiner Lehren ins Gedächtnis zu rufen, die seit über einem Jahrtausend einigen der wichtigsten Regierungen der Geschichte als Leitfaden gedient haben und heute aktueller sind denn je (einige Sätze sind adaptiert oder zusammengefasst):

Wenn wir würdige Menschen erleben, müssen wir versuchen, sie nachzuahmen. Wenn wir unwürdige Menschen erleben, sollten wir uns selber anschauen und unsere Fehler berichtigen.

In einem gut regierten Land ist die Armut etwas Beschämendes. In einem schlecht regierten Land ist der Reichtum etwas Beschämendes. Veränderungen können sich langsam vollziehen; wichtig ist, dass sie sich vollziehen.

Der Mensch verbringt sein ganzes Leben damit, etwas ganz Einfaches zu komplizieren: die Beziehung der Menschen untereinander.

Gib einem Mann, der nicht lachen und tanzen kann , nie ein Schwert.

Studiere die Vergangenheit, wenn du die Zukunft voraussehen willst.

Wenn das Ziel eines Regierenden sehr schwierig zu erreichen zu sein scheint, soll er das Ziel nicht wechseln – aber einen neuen Weg dorthin finden.

Ein guter Führer weiß, was richtig ist; ein schlechter Führer weiß, was sich am besten verkauft.

Es ist nichts Falsches daran, die Zustände in der Welt verbessern zu wollen, solange du weißt, dass du es nicht allein tun kannst; um zu wachsen, brauchst du Verbündete, die zusammen wachsen.

Diese Voraussetzungen sind für das Wohlergehen des Volkes nötig: Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Zartgefühl. Wer die Kommentare der Böswilligen anhört – und sei es nur aus Neugier – wird bald zu einem bösen Menschen werden.

Die Tugend wurde nicht geboren, um allein zu leben. Jeder, der sie ausübt, wird am Ende von Nachbann umringt sein.

“Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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