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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Der Weg unseres Lebens" · 10.08.10

Das Leben ist wie ein großes Radrennen, dessen Ziel darin besteht, seinen Lebensentwurf zu leben – was den alten Alchimisten zufolge unsere wahre Mission auf Erden ist. An der Startlinie sind wir alle beieinander,einträchtig und voller Begeisterung. Doch je länger das Rennen währt, desto öfter treten an die Stelle der anfänglichen Freude die wahren Herausforderungen: Erschöpfung, Abstumpfung, Zweifel an den eigenen Fähigkeiten.
Wir stellen fest, dass ein paar Freunde vor der Herausforderung kapitulieret haben. Sie sind zwar noch im Rennen, aber nur, weil sie nicht auf halbem Weg aufhören können. Viele radeln nur noch neben dem Servicewagen her, plaudern, sind nur noch dabei, weil sie müssen. Wir lassen sie schließlich hinter uns. Und müssen uns ohne sie der Einsamkeit stellen, unliebsamen Überraschungen, tückischen Kurven, Pannen.

Mit der Zeit fragen wir und, ob sich diese ganze Anstrengung überhaupt lohnt.
Doch sie lohnt sich. Der amerikanische Geistliche Alan Jones sagt, dass unsere Seele, um wachsen zu können, vier unsichtbare Kräfte braucht: Liebe, Tod, Macht und Zeit.

Wir müssen lieben, weil wir von Gott geliebt werden. Wir müssen uns unserer Sterblichkeit bewusst werden, um das Leben verstehen zu können. wir müssen kämpfen, um zu wachsen – aber wir dürfen uns nicht von der Macht täuschen lassen, die wir erlangen, wenn wir wachsen, denn wir wissen, dass sie nichts wert ist.
Schließlich müssen wir hinnehmen, dass unsere Seele, wenngleich sie unsterblich ist, in diesem Augenblick mit ihren Möglichkeiten und Grenzen im Netz der Zeit gefangen ist.

Daher müssen wir uns bei unserem einsamen Radrennen so verhalten, als gäbe es die Zeit, müssen wir alles tun, um jede Sekunde zu nutzen, so viele Pausen wie nötig einlegen, aber den Weg hin zum göttlichen Licht immer weiter verfolgen, ohne uns von Augenblicken der Angst hemmen zu lassen. In der Seele des Menschen liegt die Seele der Welt, die Stille der Weisheit.

Es ist gut, wenn wir uns, während wir auf unser Ziel zuradeln, fragen: “Was gibt es Schönes an diesem Tag?” Vielleicht scheint die Sonne, aber wenn nicht, sollte man sich daran erinnern, dass dies auch bedeutet, dass die dunklen Wolken sich bald verziehen werden. Die Wolken lösen sich auf, und dieselbe ewige Sonne kommt wieder hervor – in Augenblicken der Einsamkeit ist es wichtig, sich solche Dinge ins Gedächtnis zu rufen.

Ein schönes Gebet des ägyptischen, 861 gestorbenen Sufi-Meisters Dhu n-Nun fasst diese positive Einstellung, die in solchen Augenblicken vonnöten ist, gut zusammen:

“Lieber Gott, wenn ich den Stimmen der Tiere, dem Rauschen der Bäume, dem Murmeln des Wassers, dem Zwitschern der Vögel, dem Sausen des Windes, dem Dröhnen des Donners lausche, begreife ich, dass sie das Zeugnis Deiner Einheit sind. Ich spüre, dass Du die höchste Macht, die Allwissenheit, die höchste Weisheit, die höchste Gerechtigkeit bist.
Lieber Gott, ich erkenne Dich in den Prüfungen, die ich durchstehen muss. Erlaube mir, Gott, dass Deine Zufriedenheit meine Zufriedenheit ist. Dass ich Deine Freude bin, jene Freude, die ein Vater angesichts seines Kindes empfindet. Und dass ich ruhig und entschlossen an Dich denke, auch wenn es mir schwerfällt, Dir zu sagen, dass ich Dich liebe.”

“Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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