Reichtum im Jenseits
Einem Pastor gefiel es, in seiner Predigt zu erwähnen, dass die Reichen niemals in den Himmel kämen. Ein Gemeindemitglied bat ihn daraufhin nach dem Gottesdienst um ein Gespräch.
“Stimmt es, dass derjenige, der auf dieser Welt arm ist, im Paradies reich sein wird? Die Kirche ist reich, und ich bin arm und brauche drei Goldstücke.”
Ohne zu zögern, holte der Pastor zehn Goldstücke aus seiner Geldtruhe. Bevor er sie dem Gemeindemitglied gab, fragte er, was der andere damit machen wolle.
“Ich werde ein Geschäft gründen.”
Der Pastor legte die Goldstücke wieder in die Truhe zurück.
“Da du ein fähiger Mann bist, wird dein Geschäft Gewinn abwerfen, dich zu einem reichen Mann machen, der dann allerdings nicht in den Himmel kommt. Besser es bleibt alles, wie es ist.”
Der Wolf und Shiva
Ein Wolf kam auf seinem Weg durch den Wald zu einem dem Gott Shiva geweihten Tempel.
“Ich habe nun schon fast einen Tag erfolglos gejagt. Sollte das ein Zeichen sein? Vielleicht heißt es, dass ich diesen Tag dazu nutzen soll, Shiva zu Ehren zu fasten.”
Was der Wolf nicht wusste, war, dass Shiva ihn beobachtet und sich, um seine Ehrlichkeit auf die Probe zu stellen, in ein Schaf verwandelt hatte, das dem Wolf nun vor dem Tempel erschien.
Der Wolf kehrte aus seiner inneren Versenkung zurück und stürzte sich auf die Beute. Doch auf jeden Angriff reagierte das Schaf ungeheuer geschickt.
Nachdem der Wolf sich fast eine halbe Stunde vergebens abgemüht hatte, ließ er von dem Schaf ab, nahm seine Meditation wieder auf und tröstete sich selbst mit den Worten:
“Ich bin ein treues Tier. Ich habe das Fasten zu Ehren Shivas nicht gebrochen.”
Das Pferd und seine Bestimmung
Ein Bote wurde einmal auf eine dringende Mission in eine ferne Stadt geschickt. Er sattelte sein Pferd und stob davon. Nachdem sie an verschiedenen Herbergen vorbeigekommen waren, dachte das Pferd:
“Wir halten schon nicht mehr, damit ich fressen kann, und das bedeutet, dass ich nicht mehr als ein Pferd behandelt werde, sondern als Mensch. Folglich werde ich wohl wie der Reiter in der nächsten Stadt zu fressen bekommen.”
Aber die Städte flogen vorbei, eine nach der anderen, und die beiden ritten weiter und weiter. Daraufhin sagte sich das Pferd:
“Vielleicht bin ich ja gar kein Mensch, sondern ein Engel. Denn Engel müssen niemals essen.”
Schließlich erreichten sie ihr Ziel, und das Tier wurde in den Stall geführt, wo es gierig das Heu verschlang.
“Warum konnte ich nur glauben, dass die Dinge sich verändert hatten, nur weil sie nicht im gewohnten Rhythmus abliefen”, sagte sich das Pferd. “Ich bin weder ein Mensch noch ein Engel, sondern einfach nur ein hungriges Pferd.”
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